Wien, am 15. Juni 1999
Liebe
Freunde des Flugsports
Im Sommer
1994 stand ich das erste mal Übungshang und war mit
grossem Eifer dabei, alle Anweisungen der Fluglehrer
zu befolgen um schlussendlich am dritten Tag das
erste mal abzuheben. Das Feeling war unglaublich.
Inzwischen
habe ich 5 Jahre hinter mir und bin mit Freunden
viele Wochenenden quer durch die Alpen getourt und
wir konnten wunderschöne Flugberge befliegen (Loser,
Zillertal, Monte Baldo, Gerlitzen, Rax, Lienz,
Ennstal,...). Paragleiterurlaube führten uns nach
Kreta, Slowenien Kroatien und Italien. Der Flugsport
begeistert mich noch genauso wie zu Beginn. Die
neueste Leidenschaft sind Tandemflüge mit meiner
Freundin Lucy.
Was sich
sich jedoch geändert hat ist die Risikobereitschaft.
So war ich zu Beginn überzeugt, dass Unfälle nur
aufgrund Fehler passieren, die mir nicht passieren
können. Ein Flug vom Loser im Lee (wir glaubten die
Thermik war so stark, dass diese die leichte Leelage
überlagerte, dabei war es der Rotor) wo ich es nur
mit viel Glück im Aufwindbereich des Rotors über
den Grundlsee zum Landeplatz schaffte und eine
massive Fehleinschätzung auf der Rax wo ein
Gewitterzelle überentwickelte und ich ca. 300 m in
die Wolke eingesaugt wurde und erst nach vier
brutalen Steilspiralmanövern es gerade noch schaffte
vor Ausbruch des Regens den Landeplatz zu erreichen
waren Vorfälle, die meine Einstellung zum Sport
kritisch hinterfragen liessen.
In
unserer Gruppe sind inzwischen leider 4 von 6 Piloten
schwer verunglückt. Jeder von Ihnen hatte noch
Glück im Unglück, sodass mit zwei Wirbelbrüchen,
zwei Handbrüchen und einem Beinbruch keiner von
Ihnen ernste bleibende Schäden davontrug. Alle
hatten Glück und fliegen wieder. Da stellt sich
natürlich die Frage, wie lange wird das Glück noch
anhalten?
Heute ist
in meiner Einstellung zum Flugsport das Wort
"Sicherheit" ganz oben auf der
Paragleiterskala. Das Kratzen an der Wand um ja
"obenzubleiben" und Starts bei unsicheren
Lagen ("ach für einen Gleitflug wird's schon
reichen") sind vorbei. Das Einholen von
Informationen über die Wetterlage ist schon seit
längerer Zeit Standard. Weiters überlege ich, von
meinem Xyon auf einen guten Intermediate umzusteigen.
Der Sport
ist für mich jedoch, trotz aktueller negativer
Vorfälle, zu schön um aufzuhören. Ich werde
versuchen die Risiken soweit wie möglich zu
reduzieren und hoffe, dass das berühmte Restrisiko
nicht zuschlägt und ich weiterhin gesund den
Landeplatz erreiche.
Happy
Landing
Hartwig