...is the best!

Dieser Blick auf die Rax verrät schon alles. Der prächtige Cumulus (Vorsicht: Überentwicklung) weist auf die mächtige Thermik hin, die zu erwarten ist. Ca. eineinviertel Stunden von Wien entfernt ragt die gewaltige Felsburg an der Grenze zur Steiermark in den Himmel. An der Talstation angekommen, kauft Ihr Euch am besten gleich eine Punktekarte und rein ins Vergnügen! Die thermische Aktivität dieses Berges ist wirklich genial und läßt stundenlange Flüge zu. Am Hauptstartplatz (1) sollte man aber nicht mehr am späteren Nachmittag starten, denn durch die Ostausrichtung ist dann meistens der Aufwind dahin. Einmal schön überhöht kann man dann seine Streckenchancen abchecken - je nach Wind fliegen wir bevorzugt vorbei an der Heukuppe zur Schneealpe (Stairer sogn Schneealm) oder in Richtung Hohe Wand. Unser großes Ziel für die kommende Zeit ist ein Streckenflug nach Eisenerz (ca. 80-90 km). Leider hat keiner von uns diese Aufgabe jemals geschafft - die Querung zur Veitschalpe und dann aufs Hochschwab ist wirklich anspruchsvoll!
An dieser Stelle soll auch klar gesagt werden, daß die Rax für ungeübte Flieger tabu sein sollte! Die schwierigen Startplätze und die thermische Aktivität sind nicht zu unterschätzen, da kommt man manchmal ganz schön ins Schwitzen.
Übersichtskarte

1 Oststart (neben
Bergstation)
2 Landeplatz, große Wiese in Hirschwang
3 Hausbart "Willy" über der Bergstation
4 Bart "Otto" beim gleichnamigen Schutzhaus
5 Katapultstart in einem Felskar hinterm Otto-Haus (Jakobskogel)
6 Unoffizieller Landeplatz bei der Talstation (ohne Windsack)
7 Soaring- und Thermikkante "Mittagstein"
8 Startplatz für Lauflustige (2 Stunden Fußmarsch)
9 Brutal-Soaringmöglichkeit "Last Hope"
10 Heukuppe (oft Hammerthermik)
Oststart (1)

Wie man an diesen Bildern schon
erkennen kann, ist dieser Startplatz nicht von der feinsten Sorte. Einerseits
schneidet ein Weg genau die Anlauflinie, zweitens befinden sich im unteren
Teil hervorstehende Äste als Überreste ehemaliger Laaatschen
(das sind ca 1,5 m hohe Sträucher) und 3. bedrohen den Paragleiter
die ca. 20 Meter entfernten Seilbahnkabel. Wer hier einen Startabbruch
im unteren Teil hat, kann sich meistens mit einer längeren Leinen-Entwirrphase
abfinden. Auch das Starten bei schwachem Wind wird wegen dem sch.... Weg
zur Qual. Doch Dank der vorher genannten Thermikentwicklung hat man hier
meistens einen angenehmen Gegenwind. Ist der Aufwind schwach, sollte man
auf das Heranfahren der Gondel warten - diese löst die Thermik aus!

Es gibt hier sicherlich viele Möglichkeiten, ganz gut wegzukommen. Die einen legen den Schirm am darüberliegenden Plateau auf, stellen sich in den ersten Abhang und starten vorwärts. Wir bevorzugen hier den Rückwärtsstart (wie überall) und empfehlen ihn auch jedem Piloten. Am Weg stehend kann man den Gleitschirm ganz gut steuern - sollte das Schirmchen nicht optimal steigen, bremst man ihn halt nieder um nochmals aufzuziehen. Dadurch fällt der Start hier (meistens) kontrolliert aus und man schwitzt nicht wie ein Esel, weil man das Tücherl wieder hinaufschleppen und auflegen muß.

Hat man all diese Hindernisse einmal
gemeistert, erwartet einen bei Winden aus südlichen Richtungen die
Haus-Waschtrommel.
Sprich: Der thermikgeile Pilot sofort über die Seile hin zum Hausbart
gleitet, wo ihm diese Turbulenz einen saftigen Einklapper bereitet!
All das Grauen überstanden, befindet man sich als Genußflieger
im herrlichen 5-Meter Bart - ist das nicht entspannend, wenn man in null
komma nichts 600 Meter Vario-Plus verzeichnen kann?
Weitere Startplätze (5 und 8)
Wenn der Wind am Oststart nicht
paßt oder man eine kleine Wanderung vorhat, kann man natürlich
auch mit den 2 weiteren Startplätzen vorlieb nehmen. Der erste (5)
befindet sich ungefähr 1,5 Stunden von der Bergstation entfernt in
einer Bucht der Raxflanken. Man geht hier zuerst zum Ottohaus (Boxenstop?)
und findet dann hinter der Anhöhe links unten die sehr steile Startmöglichkeit.
Der Wind steht hier meistens stark an und wem die Hangneigung - böse
Zungen behaupten sie läge bei 60 Prozent - nichts ausmacht, wird hier
seine wahre Freude haben. Man stellt sich hier rückwärts hin
(von oben aus gesehen ganz rechts im Felskar) und zieht den Schirm auf
- umdrehen - 1 Schritt oder manchmal gar keiner - und steigt weg! Was für
ein Feeling...
Der dritte Rax-Startplatz ist sehr einfach, bedarf aber einer längeren
Wanderung. Er ist auf unserer Übersichtskarte mit (8) markiert und
verlangt vom Paragleiter noch eine weitere halbe Stunde. Wir haben diesen
Start noch nie probiert - warum wohl...
Landeplätze (2 und 6)

Der offizielle Rax-Landplatz (2)
befindet sich in Hirschwang, ungefähr 15 Gehminuten von der Seilbahn
entfernt. Die Wiese ist sehr groß, eben und mit Windfahne ausgestattet.
Da der Talwind meistens recht kräftig aus Richtung Reichenau weht,
sollte man sich vor dem Landeanflug nicht allzu weit ins Höllental
abtreiben lassen (es sei denn, man hat eine Fabriksdach-Landung vor!).

Sollte man als freizeitgestreßter
Pilot vorher vergessen haben, sich den Landeplatz anzuschauen - keine Panik,
man kann diesen vom Oststart aus erkennen.

Zuguterletzt hier noch die Variante
für bequeme Flieger : Der allseits unbeliebte Parkplatz-Landeplatz
bei der Talstation.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Erstens freuen sich Besucher, wenn ein
heruntergefallener Gleitschirm nach der Landung ihr schnuckeliges Sonntagsauto
bedeckt, zweitens fördert eine geschmeidige Bach-Wasserung bzw. Baumbesteigung
unheimlich das Ansehen unseres als sicher geltenden Sports. Tatsache ist,
daß dieser Landeplatz nicht unbedingt zu den einfachsten seiner Gattung
zählen darf. Wer sich einmal nicht sicher sein sollte, ob der Talwind
zu stark ist - lieber Finger oder Gleitschirm davon lassen. Das Tal ist
an dieser Stelle relativ eng, zuviel Wind kann hier zum unberechenbaren
Turbulenzerlebnis werden! Am besten beobachtet man schon recht früh
die Fahnen bei der Talstation-Auffahrt, die informieren da erstklassig.
Fluginformationen
Die Rax ist, was den Flugspaß angeht, sicher einer der interessantesten Berge. Hier folgt ein kleines Glückserlebnis, das uns widerfahren ist.
Wir schreiben den 27. Juli 1996. Ein herrlicher Tag steht uns bevor - Hochdrucklage mit geringer Quellbewölkung. Schwache Winde aus Süd veranlassen uns, die Rax als unser heutiges Fluggebiet auszuwählen. Den Kumpel um 8 aus den Federn geläutet und ins Auto gestopft- ab geht´s in Richtung Semmering. Um 10 Uhr befinden wir uns an der Talstation der Raxseilbahn und nach kurzer Auffahrt bereiten wir uns wenig später auf den Start vor. Kurz durchgeschüttelt vom Turbulenzbereich fliegen wir schon im Aufwind - es ist zwar noch sehr ruppig, aber fliegbar. Ungefähr eine Stunde geben wir uns dem Thermikspiel hin - doch der Hunger und der Durst plagt einen beim Anblick der vielen Bergwanderer, die sich auf der Terasse des Ottohauses einen Schweinsbraten gönnen und ein kühles Bier trinken.
Harry an
Harte: Hab´ Lust auf ein Kühles!
Harte an Harry: Was? Dir ist kalt bei 20 Grad Außentemperatur?
Harry an Harte: Hab dich nicht verstanden!
Harte an Harry: Wieso ist dir kaaaaalt?
Harry an Harte: Mir ist nicht kalt, ich will ein
Bier und was zum Essen!
Harte an Harry: okay, Landen wir top. Du zuerst.
Harry an Harte: Mag nicht, hab´ hier noch nie.
Harte an Harry: Ich auch nicht. Aber dein Schirm hat DHV2, meiner
nur 2-3...
Nach längerer Diskussion in der Luft landet dann Harte als erster, ich folge kurz darauf. Schirmpacken - und nach 5 Minuten sitzen wir auf einer herrlichen Sonnenterrasse bei Bier und fester Nahrung. Doch es dauert nicht lange - die Vögel in der Thermik sind einfach ein zu verlockendes Anzeichen der gewaltigen Mittagsthermik - schleifen wir unseren vollgefüllten Bauch zum Katapultstart. Der Start erweist sich als sehr anstrengend, da der Wind stark ansteht und den Schirm schon ohne Pilotenimpuls hochzerren will. Nun gut. Wir warten ein wenig und starten zwischen den Ablösungen, ein Schritt und man ist in der Luft. Danach zentrieren wir zuerst nach Belieben den "Ottobart" (4) und steigen bis auf 2300 Meter. Kurz darauf verliere ich meinen Flieger-Freund aus den Augen und mache mich auf den Weg in Richtung Heukuppe. Da die ganze Raxflanke bis zur Preiner Wand thermisch war, erweist sich dieser Streckenabschnitt als sehr einfach. Doch zuwenig Höhe beim Kreuz ausgekurbelt - komme ich sehr tief bei dem mit (9) gekennzeichneten Grat an. Aber dann erweist sich meine letzte Hoffnung als voller Erfolg : Durch den Südwind erreiche ich dynamisch an dieser Soaringkante den nächsten Thermikbart beim Predigtstuhl! Danach mache ich noch einen Abstecher zum Karl-Ludwig Haus, um anschließend mit Rückenwind zurück zum Landeplatz zu dröhnen. Nach der Landung sitze ich noch lange völlig high in der Wiese und träume vor mich hin - was für ein Erlebnis...
Schwierigkeiten und Gefahren:
- sehr (!) starke Thermik mit damit
verbundenen schweren Turbulenzen
- bockige Leethermik
- nicht ganz einfacher Hauptstartplatz
- Gewitterexposition
- starker Talwind in Richtung Höllental (beim Landeanflug einkalkulieren)
- hochalpines, großteils felsiges Gelände
Wetterinfo:
- Hier gibts exklusiv die aktuellen
Werte von der Austro Control ![]()
- Im Fernsehen auf Teletextseite 613 (Bergwetter)
- Anruf bei der Bergstation der Raxseilbahn Tel.Nr. 02666/2450 oder Talstation
Tel.Nr. 02666/24970
- Ideal für die Rax sind natürlich alle schwachwindigen Lagen
und Winde aus Ost bis Süd.
Futtern und/oder Apresbier:
- Cafe/Gasthaus "Knusperhäuschen"
- Pizzeria in Gloggnitz (Name wird nachgereicht, aber da gibts nur eine
- nämlich mitten im Ort)
- in Wien : Cafe Gitarre (Kolschitzkygasse, 4. Bezirk) oder Rolling Stone
(Schmelzgasse, 2. Bezirk - ab 16:00)
Danke für das Monat Freibier für
Harry und Harte - wäre nicht notwendig gewesen, Stefan!
Anfahrt: A2 Richtung Süden
bis Knoten Seebenstein, dann Richtung Semmering abbiegen und bis zur Ausfahrt
Gloggnitz. Danach der Straße durch Reichenau nach Hirschwang folgen
- das war´s!
Für uns ist die Rax einer der tollsten Flugberge in dieser Gegend - einfach zum verlieben!
.....See you in the Sky !